Gratfront
2005, Dorfer Grün Serpentinit, 130x20x85cm

Christiane Neckritz / A


1985 nahm Christiane Neckritz zum ersten Mal an einem Bildhauersymposion im Krastal teil. Der Ort - immer noch abseits des touristischen Getriebes - hat für sie etwas Elementares. Sowohl die gemeinschaftliche Arbeit mit anderen Künstlern, als auch der Steinbruch selbst, schaffen darüberhinaus für die Künstlerin ideale Bedingungen.
Vor der Bearbeitung des Steins steht bei Christiane Neckritz eine umfangreiche Formfindung durch die Zeichnung. Ideen werden aufgebaut und weiterentwickelt. Dennoch ist es der Künstlerin wichtig, in der bildhauerischen Arbeit auf die materielle Beschaffenheit des Steins einzugehen und sich die Möglichkeit offen zu halten, an der Form noch Veränderungen vorzunehmen und das in der Zeichnung gefundene Konzept auch aufbrechen zu können. Christiane Neckritz arbeitet bewusst in einem klassischen Kontext, verwendet jedoch anstelle eines großen, geschlossenen Blocks häufig auch Bruchsteine, um daraus ihre Arbeit zu entwickeln. "Es ist mir wichtig, selbst aus einem kleineren Stein das Maximale an Volumen herauszuholen, ich verwende daher zumeist nicht allzu große Steine. Ich habe nicht den Anspruch, vor allem Masse zu bewältigen, wesentlicher ist mir die Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Stück selbst."
Die Skulptur von Christiane Neckritz ist im eigentlichen Sinne kein Einzelstück, sondern als Modul gedacht, als ein Teil einer mehrteiligen Serie von ähnlichen Elementen oder als einer von zwei Seitenteilen einer Bank. Zwischen zwei aus Dorfergrün (Serpentinit aus Osttirol) gestalteten Steinen könnten in diesem Fall schlichte schwarze Holzlatten eingespannt werden. Das Konzept der Zeichnungen sah zunächst vor, die Kanten des Steins in Form einer Rustika zu bearbeiten, um durch die Reduzierung eine klare, rhythmische Struktur aufzubauen. "Doch die Zeichnung des Steins, sowie die Pflanzen im Steinbruch, die zwischen den Steinen emporwachsen, haben mich inspiriert, auch den vegetativen und organischen Formen nachzugehen. So entstanden neben den Quadern der Rustika auch zartere Motive, die an Farne oder Schlangen erinnern." Vor allem der Kontrast zwischen der strengen Form und den narrativen Elementen interessierte die Künstlerin und so baute sie an der Kante des Bruchsteins eine spannungsgeladene Silhouette auf, in der die einzelnen Formen in Bewegung zueinander stehen. Neben der Bruchform entlang der Kanten waren es auch die Farben, die sich durch die stetigen Einlagerungen im Stein ergeben, denen die Künstlerin nachspürte, die sie freilegte und so über die Steinkanten fließen lässt.

 
 
photos & artwork ©2006 bettina frenzel portraits © urs kahler
written by Silvie Aigner