1985 nahm Christiane Neckritz zum ersten Mal an einem Bildhauersymposion im Krastal teil. Der Ort - immer
noch abseits des touristischen Getriebes - hat für sie etwas Elementares. Sowohl die gemeinschaftliche Arbeit
mit anderen Künstlern, als auch der Steinbruch selbst, schaffen darüberhinaus für die Künstlerin ideale
Bedingungen.
Vor der Bearbeitung des Steins steht bei Christiane Neckritz eine umfangreiche Formfindung durch die
Zeichnung. Ideen werden aufgebaut und weiterentwickelt. Dennoch ist es der Künstlerin wichtig, in der bildhauerischen
Arbeit auf die materielle Beschaffenheit des Steins einzugehen und sich die Möglichkeit offen zu halten,
an der Form noch Veränderungen vorzunehmen und das in der Zeichnung gefundene Konzept auch aufbrechen
zu können. Christiane Neckritz arbeitet bewusst in einem klassischen Kontext, verwendet jedoch anstelle eines
großen, geschlossenen Blocks häufig auch Bruchsteine, um daraus ihre Arbeit zu entwickeln. "Es ist mir wichtig,
selbst aus einem kleineren Stein das Maximale an Volumen herauszuholen, ich verwende daher zumeist nicht
allzu große Steine. Ich habe nicht den Anspruch, vor allem Masse zu bewältigen, wesentlicher ist mir die
Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Stück selbst."
Die Skulptur von Christiane Neckritz ist im eigentlichen Sinne kein Einzelstück, sondern als Modul gedacht, als
ein Teil einer mehrteiligen Serie von ähnlichen Elementen oder als einer von zwei Seitenteilen einer Bank.
Zwischen zwei aus Dorfergrün (Serpentinit aus Osttirol) gestalteten Steinen könnten in diesem Fall schlichte
schwarze Holzlatten eingespannt werden. Das Konzept der Zeichnungen sah zunächst vor, die Kanten des Steins
in Form einer Rustika zu bearbeiten, um durch die Reduzierung eine klare, rhythmische Struktur aufzubauen.
"Doch die Zeichnung des Steins, sowie die Pflanzen im Steinbruch, die zwischen den Steinen emporwachsen,
haben mich inspiriert, auch den vegetativen und organischen Formen nachzugehen. So entstanden neben den
Quadern der Rustika auch zartere Motive, die an Farne oder Schlangen erinnern." Vor allem der Kontrast zwischen
der strengen Form und den narrativen Elementen interessierte die Künstlerin und so baute sie an der
Kante des Bruchsteins eine spannungsgeladene Silhouette auf, in der die einzelnen Formen in Bewegung zueinander
stehen. Neben der Bruchform entlang der Kanten waren es auch die Farben, die sich durch die stetigen
Einlagerungen im Stein ergeben, denen die Künstlerin nachspürte, die sie freilegte und so über die Steinkanten
fließen lässt.