Ellipsoide Stücke
2005, Tauerngrün Serpentinit poliert, 70x70x90cm
2005, Krastaler Marmor gespitzt, auf Autoreifen, 70x70x90cm
2005, Krastaler Marmor gespitzt, 70x70x90cm


Die künstlerische Intention Egon Straszers zielt darauf, Skulpturen zu schaffen, die autonom für sich stehen und dem Konzept installativer Raumarbeiten sowie ihrer Vereinnahmung als Intervention im öffentlich-sozialen Raum etwas entgegensetzen. Die sinnliche Wahrnehmung der Welt an sich und der Form und Oberfläche der Steinskulptur im Besonderen ist für den Künstler ein wesentlicher Ansatzpunkt. "Ich gehe davon aus, dass die sinnliche Wahrnehmung die Ursache für die Erkenntnis der Dinge ist.", schrieb der Künstler in dem gemeinsam mit Michael Kos 2004 herausgegebenen Buch "DINGE, an sich". "Alltägliche Gewohnheiten und eine Überdosis von Vernunft" stellten dabei laut Egon Straszer ein Hindernis dar, das er in seiner Arbeit zu überwinden versucht, indem er sich auf die Auseinandersetzung mit der Form konzentriert. In deren Werden sieht er die eigentliche Freiheit des Künstlers, die ihm auch die Möglichkeit öffnet, Widersprüchliches zuzulassen und Gegensätzliches nicht als Dualität zu nehmen, sondern zu vereinen. Nach figurativen Anfängen interessiert den Künstler heute die Darstellung des Menschen nicht mehr.(...) "Es geht mir viel mehr darum, ein Ding an sich zu schaffen, mit Formen zu experimentieren, ohne etwas Konkretes abbilden zu müssen." Runde Formen mit abgerundeten Kanten, die in ihrer fließenden Bewegung in die Innenräume der Skulptur hineinführen, Hohlräume, die kompakte Teile der Skulptur durchbrechen, sowie eine markante Handschrift in der Oberflächengestaltung sind charakteristisch für die Skulpturen von Egon Straszer. Sie erinnern nicht zuletzt durch ihr kurvige Kantenführung und ihre gespitzte oder polierte Oberfläche an organische oder biomorphe Körper, geformt durch die Kräfte der Natur, jedoch ohne reale Zuweisung. Dies entspricht letztlich auch dem Grundbedürfnis des Künstlers, für das nicht Erfassbare eine begreifbare Form zu finden. Die geometrische Grundform des Ellipsoids war bereits in einigen früheren Arbeiten integratives Herzstück und wurde in den Skulpturen des diesjährigen Symposions von der Ausgangsbasis zur autonomen Form und zur zentralen Aussage. Die große, vordergründig kubische Arbeit aus grünem Serpentinit fällt dabei durch ihre maschinelle, nach Schablone gefertigte Plattentektonik aus dem bisherigen OEuvre des Künstlers heraus. Sie spielt mit der Wahrnehmung, die je nach Lichtverhältnissen und nach Standpunkt des Betrachters einen Kubus oder das im Stein befindliche Ellipsoid erkennen lässt. Die beiden kleineren Arbeiten aus Krastaler Marmor stehen in einem Dialog, dessen Spannung durch die variative Wiederholung der Grundform entsteht. Durch ihrer Bearbeitung ermöglichen sie eine mehrdeutige Lesbarkeit zwischen einer organischen Form und einem geometrischen Körper. Indem der Künstler die runde Form bewusst durch eine klare, reduzierte Sockelgestaltung kontrastiert, legt er den Schwerpunkt eindeutig auf die Geometrie des Ellipsoids. Allerdings mit der Wahl des Autoreifens als zusätzliches Element zwischen Skulptur und Sockel bricht er auch diese Ebene auf.
 
 
photos & artwork ©2006 bettina frenzel portraits © urs kahler
written by Silvie Aigner