"Geschlossene Gesellschaft" - und ein offenes Haus

Vor 17 Jahren (1988) wurden unsere "Symposions Steine" im Umraum und in der Galerie der Wiener Secession ausgestellt - damals die erste Präsentation großer Marmorarbeiten aus den Symposien des "Vereins Begegnung in Kärnten" in Wien.
Weitere 18 Jahre davor (1972) fand die Ausstellung "Begegnung in Kärnten" im Österreichischem Künstlerzentrum in der Mahlerstrasse im Zentrum Wiens statt, allerdings mit dem Schwerpunkt auf Kleinskulptur, Malerei, Photodokumentation und Literatur.

 
 

Dazwischen und vor allem in den letzten Jahren gab es mehrere umfangreiche Präsentationen in Österreich, Deutschland und Italien, wie 1975 Aktion Tusch in Wien, 1978 in Moers/Deutschland, 2003 "Stonewashed" in Mistelbach/NÖ, oder 2003 "Identità Europa" in Mailand/Italien und 2004 "Naturarte" ebenfalls in Mailand.

Innerhalb der langen Geschichte des Symposions Krastal gab es heuer jedoch eine Novität:
2005 fand das erste Symposion statt, in welchem die Mitglieder des Vereins selbst die Teilnehmer und nicht primär die Organisatoren waren.
Es war das erste Mal, dass alle Künstler des Vereins sich für vier Wochen trafen, mit – und nebeneinander arbeiteten, organisierten, tranken, redeten, diskutierten, stritten, aßen, schliefen, ganz einfach mit- und nebeneinander lebten.
Jeder weiß, Gemeinschaften auf Zeit sind sehr schön, aber sie sind auf jeden Fall auch sehr anstrengend.
Eine solche Zeit bringt einander näher – oder sie trennt.
Diese gemeinsame Zeit vertieft gegenseitiges Verstehen, da sie uns einfach besser kennen lernen und die künstlerische Sprache, den künstlerischen Ausdruck des Anderen genauer erfahren lässt.
Diese Zeit bietet uns die Möglichkeit, die kreativen Einzel-Individuen, die wir im Krastal ja sind, zu bündeln und unsere Ziele auch gemeinsam zu verfolgen, diesen Zielen gemeinsam entgegen zu gehen, ja auch entgegen zu laufen.

Das Motto der "Geschlossenen Gesellschaft" bot uns die Gelegenheit, uns als Gruppe klar zu definieren und uns um die eigene Arbeit, um die KollegInnen innerhalb des Symposions zu kümmern. Mit dem Modus der "Geschlossenen Gesellschaft" boten wir eine ganz besondere Gelegenheit für die Anderen "außerhalb", für Freunde, Nachbarn, Sponsoren. Mit ihnen zelebrierten wir Symposien im ursprünglichen Sinne als gemeinsames Gastmahl und machten unser Haus zu einem offenen. Das ist auch unser großes Ziel. Wir wollen - neben und ergänzend zu unserer direkten, künstlerischen Auseinandersetzung und neben der Organisation unserer Bildhauersymposien - das Kunstwerk Krastal vor allem als Zentrum der Kommunikation und Begegnung erleben und verstanden wissen.

Ernst Reiterer

 
site by bf © 2006