Formal entwickelte Erika Inger in der mehrteiligen Steinskulptur "Falsche Gedanken" die 2002 entstandene
Arbeit "Das Innere Tier" weiter (siehe Skulpturenstraße "Vom Fluss zum See", Standort 7). Bei beiden Arbeiten
stellte sie schwere Marmorblöcke auf dünne Stahlstäbe und thematisierte - über andere inhaltliche Aspekte hinaus
- auch die Frage nach dem Gewicht des Steins. Die Steine sind in Bewegung und formen in der Skulptur "Das
Innere Tier" eine sanfte Wölbung nach außen: "Wie ein rauhes, lebendiges Leben, über welches die Zeit glättend
hinwegstreift" schrieb die Künstlerin damals dazu und lud ein, die Skulptur auch als Liege zu verwenden,
auf der man bequem ausgestreckt den Himmel betrachten kann. Objekte aus der Kombination unterschiedlicher
Materialien wie Stein, Holz, Metall oder auch Fundmaterial aus der Natur, die Bewegung suggerieren oder auch
Klänge und Töne formen, sind charakteristisch für die Südtiroler Künstlerin. Mit Krastaler Marmor arbeitete Erika
Inger erstmals 1991. Die damals entstandene Skulptur "Was ist, was nicht ist" steht heute am Bahnhof in St. Paul
im Lavantal. Bei der diesjährigen Arbeit vollführen die Blöcke eine aufwärts strebende oder herabstürzende
Bewegung, je nach Standpunkt des Betrachters. Der letzte Stein steht dabei sowohl formal als auch technisch
"an der Kippe" und soll bewusst den Betrachter verunsichern und die Statik der Skulptur in Frage stellen.
Humorvoller und leichter als ihre drei Jahre zuvor entstandene Arbeit möchte die Künstlerin ihren Beitrag zum
diesjährigen Symposion verstanden wissen. Wenngleich auch eine andere, ernsthaftere, mitunter auch beängstigende
Lesbarkeit durch das scheinbare Herabstürzen des Steines zum Ausdruck kommt. Ebenso wie "Das Innere
Tier" zielt auch die neue Arbeit auf eine Auseinandersetzung mit der eigenen inneren Befindlichkeit und evoziert
beim Betrachter individuelle Assoziationen zwischen humorvoller Leichtigkeit und erdrückender Schwere.
"Falsche Gedanken erheben sich mit Leichtigkeit und schleichen umher, um dann mit der ganzen Schwerkraft des
Marmors auf einem zu lasten.", so Erika Inger. "Doch weist die Bewegung des Steins auch auf einen anderen
inneren Weg, auf einen positiven Prozess, dessen Ziel die Leichtigkeit ist, zwar eine fragile Leichtigkeit, aber
eine, die wie ein Traum über die Erdschwere hinausweist."
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