Seit der Ausbildung bei Josef Pillhofer und Joannis Avramidis steht die menschliche Figur im Mittelpunkt der Skulpturen
von Helmut Machhammer. Nach einer Werkphase mit plastischen, stehenden Figuren (vgl. dazu "Davor" 1991,
Skulpturenstraße Krastal, Standort 5) führt Helmut Machhammer im diesjährigen Symposion wieder die Arbeit an seinen
Kippfiguren weiter, deren formales Prinzip der Künstler Ende der neunziger Jahre entwickelte. Zwei Figuren, eine
männliche und eine weibliche, verschränkte Helmut Machhammer in dieser Arbeit - und stellt damit inhaltlich das
"Einander helfen" dar. Die Interpretation darüber, wer hier wem hilft, oder ob dieses "Ineinander purzeln und rollen"
nicht eher den beiden Figuren hinderlich ist, überlässt der Künstler dem jeweiligen Standpunkt des Betrachters. Das
komplexe Figurengebilde, das dadurch entsteht, dass die dazwischen liegenden Hohlräume aus dem Stein herausgebohrt
und herausgeschnitten werden, erfordert eine gute Vorbereitung durch die Zeichnung und durch ein Modell. Ein
wesentlicher Aspekt dieser Arbeit ist die Konstruktion über die Raumfläche, sowie das mobile Prinzip der Skulptur. Das
Kippen, Drehen, oder eben das Purzeln der Figuren, funktioniert über einzelne, plane Flächen, die mit jeweiliger
Ausrichtung der Skulptur eine neue Standfläche ergeben. Jedes Kippen ergibt dabei eine andere Sichtweise der Figur
und damit auch die Möglichkeit einer neuen Interpretation. Die Überlegung, durch die Mobilität der Skulptur am Ort
der Aufstellung selbst keinen absoluten Standpunkt vorzugeben, sondern im Gegenteil verschiedene Blickwinkel und
Einsichten durch das Kippen zu evozieren, ist ebenso Thema wie die formalen Ansprüche an den Aufbau der Skulptur
selbst. Die Interaktion des Betrachters bedingt, dass vorab vertraute Ansichten ins Wanken geraten - "gnadenlos zu
purzeln beginnen". Die Linien zum Anzeichnen der Figuren lässt Helmut Machhammer bewusst stehen, um deren eckigen
Körperbau nicht zu blockhaft wirken zu lassen. Auch die Möglichkeit des Kippens erscheint für den Betrachter klarer,
wenn die Figur im Stein sich etwas Skizzenhaftes bewahrt. Denn, so der Künstler, es geht um eine mobile Figur und
nicht um einen geometrischen Körper, wenngleich er die Arbeiten auch architektonisch sieht, "denn letztlich geht es
auch hier um Räume, um Hohlräume und Innenräume, die zwischen den Figuren entstehen". Und nicht zuletzt stellen
seine Kippfiguren die allgemein angenommene Unbeweglichkeit von Steinskulpturen in Frage und beweisen nachdrücklich
- zumindest durch das Puvoir ihres Purzelns - das Gegenteil.
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