Purzeln
2005, Krastaler Marmor, 135x116x108cm

Helmut Machhammer / A


Seit der Ausbildung bei Josef Pillhofer und Joannis Avramidis steht die menschliche Figur im Mittelpunkt der Skulpturen von Helmut Machhammer. Nach einer Werkphase mit plastischen, stehenden Figuren (vgl. dazu "Davor" 1991, Skulpturenstraße Krastal, Standort 5) führt Helmut Machhammer im diesjährigen Symposion wieder die Arbeit an seinen Kippfiguren weiter, deren formales Prinzip der Künstler Ende der neunziger Jahre entwickelte. Zwei Figuren, eine männliche und eine weibliche, verschränkte Helmut Machhammer in dieser Arbeit - und stellt damit inhaltlich das "Einander helfen" dar. Die Interpretation darüber, wer hier wem hilft, oder ob dieses "Ineinander purzeln und rollen" nicht eher den beiden Figuren hinderlich ist, überlässt der Künstler dem jeweiligen Standpunkt des Betrachters. Das komplexe Figurengebilde, das dadurch entsteht, dass die dazwischen liegenden Hohlräume aus dem Stein herausgebohrt und herausgeschnitten werden, erfordert eine gute Vorbereitung durch die Zeichnung und durch ein Modell. Ein wesentlicher Aspekt dieser Arbeit ist die Konstruktion über die Raumfläche, sowie das mobile Prinzip der Skulptur. Das Kippen, Drehen, oder eben das Purzeln der Figuren, funktioniert über einzelne, plane Flächen, die mit jeweiliger Ausrichtung der Skulptur eine neue Standfläche ergeben. Jedes Kippen ergibt dabei eine andere Sichtweise der Figur und damit auch die Möglichkeit einer neuen Interpretation. Die Überlegung, durch die Mobilität der Skulptur am Ort der Aufstellung selbst keinen absoluten Standpunkt vorzugeben, sondern im Gegenteil verschiedene Blickwinkel und Einsichten durch das Kippen zu evozieren, ist ebenso Thema wie die formalen Ansprüche an den Aufbau der Skulptur selbst. Die Interaktion des Betrachters bedingt, dass vorab vertraute Ansichten ins Wanken geraten - "gnadenlos zu purzeln beginnen". Die Linien zum Anzeichnen der Figuren lässt Helmut Machhammer bewusst stehen, um deren eckigen Körperbau nicht zu blockhaft wirken zu lassen. Auch die Möglichkeit des Kippens erscheint für den Betrachter klarer, wenn die Figur im Stein sich etwas Skizzenhaftes bewahrt. Denn, so der Künstler, es geht um eine mobile Figur und nicht um einen geometrischen Körper, wenngleich er die Arbeiten auch architektonisch sieht, "denn letztlich geht es auch hier um Räume, um Hohlräume und Innenräume, die zwischen den Figuren entstehen". Und nicht zuletzt stellen seine Kippfiguren die allgemein angenommene Unbeweglichkeit von Steinskulpturen in Frage und beweisen nachdrücklich - zumindest durch das Puvoir ihres Purzelns - das Gegenteil.
 
 
photos & artwork ©2006 bettina frenzel portraits © urs kahler
written by Silvie Aigner