"Es gibt immer einen Spielraum des Unvorhergesehenen zwischen der Planung und der Ausführung" - in diesem
Bereich zeigt sich für den Bildhauer Max Seibald die besondere Qualität der Kunst. Minimale Eingriffe in den
Stein, die Kombination unterschiedlicher, ineinander greifender Werkstoffe (vgl. dazu "Incastro",
Skulpturenstraße "Vom Fluss zum See", Standort 12), sowie der Rückgriff auf geometrische Formen bestimmen
die Konturen seiner Steinskulpturen. Der Findling, den Max Seibald für seine Skulptur "1m3 Kunstlandschaft"
wählte, stammt aus einem Bachbett, die Oberfläche einer Seite war bereits in besonderer Weise durch das
Wasser geformt und bildete eine interessante Ausgangssituation. Die Natur gibt viele Formen vor, so Max
Seibald, diese möchte er für seine Gestaltung nutzen, allerdings in völliger Freiheit der künstlerischen
Umsetzung. Ausgehend von der bereits definierten kubischen Form des Steins, zielte die Intention des Künstlers
darauf, der charakteristischen Beschaffenheit seiner Oberfläche eine neue Dimension zu geben. Durch reduzierte
künstlerische Eingriffe sollte jene Seite des Steins, die an eine Landschaft oder auch an eine bewegte
Wasseroberfläche erinnert, akzentuiert werden. An den anderen Seiten wurde der Stein glattpoliert, um durch
den Kontrast den Blick auf die naturbelassene Fläche zu lenken und sie noch deutlicher hervorzuheben.
Gleichzeitig durchbricht die präzise, auf die Kanten zielende Gestaltung die Poesie dieser Oberfläche, die der
Künstler auch mit Begriffen wie Leben, Bewegung, Landschaft verbindet. Vor allem die Metallkonstruktion reklamiert
klare, geometrische Formen für die Skulptur und hebt den Stein auf eine weitere Ebene. Die besondere
Wirkung, die sich durch die unmittelbare Gegenüberstellung einer organischen und einer konstruktiven Form
ergibt, stellt eine - wenngleich auch nur für diesen Aspekt geltende - Verbindung zu der von Max Seibald in den
letzten Jahren entwickelten "scultura vivente" her, in der Körper in eine präzise Architektur eingebaut werden.
Die Skulptur "1m3 Kunstlandschaft" spielt darüber hinaus einmal mehr mit der scheinbaren Leichtigkeit des
Steins, dessen eigentliche Schwere durch die Konstruktion suggestiv aufgehoben wird. Die Sockelkonstruktion
aus Metall macht diesen "Kubikmeter Kunstlandschaft" jedoch auch zu einer formalen Idee, deren Grundkonzept
bewusst etwas Produkthaftes hat. Diese auch dahingehend als "Sockelpalette" bezeichnete Konstruktion ist laut
Max Seibald seriell erweiterbar, verbindet das Praktische – wie den Transport der Skulptur - mit dem Formalen.
Denn wenn auch die Oberfläche des Steins Erinnerungen an Landschaftliches evoziert, der Stein in der
Metallkonstruktion schwebt, als müsse er durch die seitlichen Zwingen am Fortfliegen gehindert werden, so ist
damit die Skulptur auch eine von jeglicher Illustration emanzipierte Form geworden.