1m3 Kunstlandschaft
2005, Dorfer Grün Serpentinit

Max M. Seibald / I


"Es gibt immer einen Spielraum des Unvorhergesehenen zwischen der Planung und der Ausführung" - in diesem Bereich zeigt sich für den Bildhauer Max Seibald die besondere Qualität der Kunst. Minimale Eingriffe in den Stein, die Kombination unterschiedlicher, ineinander greifender Werkstoffe (vgl. dazu "Incastro", Skulpturenstraße "Vom Fluss zum See", Standort 12), sowie der Rückgriff auf geometrische Formen bestimmen die Konturen seiner Steinskulpturen. Der Findling, den Max Seibald für seine Skulptur "1m3 Kunstlandschaft" wählte, stammt aus einem Bachbett, die Oberfläche einer Seite war bereits in besonderer Weise durch das Wasser geformt und bildete eine interessante Ausgangssituation. Die Natur gibt viele Formen vor, so Max Seibald, diese möchte er für seine Gestaltung nutzen, allerdings in völliger Freiheit der künstlerischen Umsetzung. Ausgehend von der bereits definierten kubischen Form des Steins, zielte die Intention des Künstlers darauf, der charakteristischen Beschaffenheit seiner Oberfläche eine neue Dimension zu geben. Durch reduzierte künstlerische Eingriffe sollte jene Seite des Steins, die an eine Landschaft oder auch an eine bewegte Wasseroberfläche erinnert, akzentuiert werden. An den anderen Seiten wurde der Stein glattpoliert, um durch den Kontrast den Blick auf die naturbelassene Fläche zu lenken und sie noch deutlicher hervorzuheben. Gleichzeitig durchbricht die präzise, auf die Kanten zielende Gestaltung die Poesie dieser Oberfläche, die der Künstler auch mit Begriffen wie Leben, Bewegung, Landschaft verbindet. Vor allem die Metallkonstruktion reklamiert klare, geometrische Formen für die Skulptur und hebt den Stein auf eine weitere Ebene. Die besondere Wirkung, die sich durch die unmittelbare Gegenüberstellung einer organischen und einer konstruktiven Form ergibt, stellt eine - wenngleich auch nur für diesen Aspekt geltende - Verbindung zu der von Max Seibald in den letzten Jahren entwickelten "scultura vivente" her, in der Körper in eine präzise Architektur eingebaut werden. Die Skulptur "1m3 Kunstlandschaft" spielt darüber hinaus einmal mehr mit der scheinbaren Leichtigkeit des Steins, dessen eigentliche Schwere durch die Konstruktion suggestiv aufgehoben wird. Die Sockelkonstruktion aus Metall macht diesen "Kubikmeter Kunstlandschaft" jedoch auch zu einer formalen Idee, deren Grundkonzept bewusst etwas Produkthaftes hat. Diese auch dahingehend als "Sockelpalette" bezeichnete Konstruktion ist laut Max Seibald seriell erweiterbar, verbindet das Praktische – wie den Transport der Skulptur - mit dem Formalen. Denn wenn auch die Oberfläche des Steins Erinnerungen an Landschaftliches evoziert, der Stein in der Metallkonstruktion schwebt, als müsse er durch die seitlichen Zwingen am Fortfliegen gehindert werden, so ist damit die Skulptur auch eine von jeglicher Illustration emanzipierte Form geworden.

 
 
photos & artwork ©2006 bettina frenzel portraits © urs kahler
written by Silvie Aigner