Die Skulptur des in Südtirol lebenden Bildhauers Wolfgang Wohlfahrt besteht aus zwei massiven Platten, die
durch das Entzweisägen des Steins entstanden sind. Als spiegelverkehrte Teile setzt der Künstler sie wieder aufeinander.
Die beiden nach außen gewölbten Elemente ergeben eine Form, die im weitesten Sinne funktioniert
wie die Schalen einer Muschel. Hier wie dort sind die beiden Teile nur auf den ersten Blick tatsächlich identisch.
Wenngleich eine Hälfte genau auf die andere passt, hat jede eine andere Oberflächenmaserung und -zeichnung.
Ein wesentliches Element in der Skulptur von Wolfgang Wohlfahrt ist die Ausnehmung in der Mitte, die in die
Verbindung der beiden Steine eine zusätzliche Spannung hineinbringt. Die geschlossene Passform, das perfekte
Ineinandergreifen von Ober-und Unterteil, wie es in der Natur vorkommt, wird dadurch bewusst durchbrochen.
In der Bearbeitung der Oberflächen setzt Wolfgang Wohlfahrt auf den Kontrast von poliertem, bearbeitetem und
roh belassenem Stein. Die Beschaffenheit der Oberfläche im Durchbruch entstand durch das "Herunterschälen"
der obersten Steinschicht. Aus dem Vorgang des linearen Herausschlagens des Materials entstand die Idee einer
zweiten, kleineren Skulptur, die in Form und Bearbeitung mit der ersten korrespondiert. Durch die Art der
Bearbeitung und der Gegenüberstellung von rauem Naturbruch und bearbeiteter Fläche unterstreicht der
Künstler die materielle Beschaffenheit des Steins und das sich dadurch ergebende Wechselspiel zwischen der
dunklen und hellen Farbe des Rauchkristalls. Mit dem Trennschleifer schnitt Wolfgang Wohlfahrt Segmente heraus,
die per Hand herausgeschlagen wurden und schmale, weiße Stege ergaben. Diese rhythmisieren die Flächen
und bringen eine zusätzliche Bewegung durch das Spiel mit Licht und Schatten in die Skulptur. Die an sich strenge
Form, so der Künstler, erhält durch die Bearbeitung wieder etwas Weiches, Widersprüchliches und lässt die
Wirkung des Steins konkret werden. "Ich bin immer auf der Suche nach einer äußeren Form für ein ganzheitliches
Denken, nach einer Methode zur Verwirklichung immer neuer, unterschiedlicher Ansätze," so Wolfgang
Wohlfahrt. Der sprichwörtliche Titel ergab sich während der Arbeit an dem großen Stein und könnte auch mit
den Worten des ebenfalls aus Kärnten stammenden Bildhauers Thomas Györi interpretiert werden. "Dem Stein
eine Form abzugewinnen ist eine schweißtreibende Knochenarbeit - und man stellt sich des öfteren die Frage
nach dem Warum".
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