Peter Dörflinger

Peter Dörflinger 

geboren 1957 in Villach ist Autodidakt. Nach dem Besuch der HBLA für Tiefbau in Villach erlernte er zunächst den Beruf des Bootsbauers. Ende der 1970er-Jahre arbeitete er erstmals mit Stein, als Assistent von Max Gangl, der im Steinbruch Lauster im Krastal arbeitete. Später folgte eine Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Hans Muhr. Seit 1985 ist Peter Dörflinger freischaffender Künstler.

Zunächst entstanden Skulpturen aus Stein, bevorzugt aus Krastaler oder Gummener Marmor und Serpentin aus Osttirol. Beide Steinarten bevorzugt der Künstler aufgrund ihrer Härte. Seit 2004 entwickelte Peter Dörflinger auch Objekte und Skulpturen aus Holz und Papier. Schon seine frühen Steinskulpturen mit noch roh belassener Oberfläche zeigen sein Interesse an der Durchbrechung des geschlossenen Blocks und an einer Verschränkung verschiedener Bewegungsrichtungen in der Bearbeitung. Die Oberflächen seiner amorphen Skulpturen blieben zunächst unbehandelt oder wurden mittels Spitzeisen bearbeitet, während seine späteren Steinskulpturen eher glatt poliert sind. Aber gerade bei den neuen Arbeiten sieht man wieder die unterschiedliche Oberflächenbearbeitung. Doch hängt das, so Dörflinger immer vom jeweiligen Stein ab und ist zum Beispiel im Serpentin gar nicht möglich.

Aushöhlungen und in sich verschränkte Formen, die scheinbar in einer steten Bewegung sind, sich winden, ihr Volumen ausdehnen, sich stellenweise verdicken um an anderer Stelle in einer kurvigen Bewegung auszulaufen, sind charakteristisch für Dörflingers Steinskulpturen. Frühe Figuren zeigen Kopfformen oder erinnern an Körperformen, doch das Figurative war schnell überwunden. Der Kontrast von Bewegung und Statik sowie von Dichte und Aushöhlung prägt in der Folge seine Skulpturen. Die Kunsthistorikerin Christine Wetzlinger-Grundnig beschreibt diese als „zarte, geschwungene organische Formen, die im Laufe der Zeit immer filigraner und spielerischer werden, charakterisiert durch fließende Linien und runde Konturen, […]“. Peter Dörflinger arbeitet wie er selbst sagt „dem Material nach“ – bestimmt wird der Verlauf des Arbeitsprozesses vor allem durch die Eigenschaften der Steine. Er lässt sich von den Bedingungen zugleich anleiten und beschränken. Vieles entsteht wie er auch in unserem Gespräch betont, im Arbeitsprozess selbst. „Es gibt natürlich grobe Skizzen, doch gibt das Material vieles vor“, zeigt Dörflinger einen Stapel bezeichneter Papiere in seinem Atelier. Daneben entstehen gestische Skizzen mit Kugelschreiber, die den Werkprozess begleiten.

Um seine Intention, die Schwere des Materials aufheben, liegen seine Skulpturen zumeist nur auf einer Stelle am Sockel auf. Sie lassen sich mit einer leichten Handbewegung kippen oder drehen. Durch die Möglichkeit der Bewegung bieten sich ganz neue, überraschende Ansichten und Einblicke und ein diffiziles Licht- und Schattenspiel. Doch hier ging der Impuls zu diesem fast schon Markenzeichen des Künstlers wie so oft vom Zufall aus – aus dem sich dann ein bewusster skulpturaler Eingriff entwickelte. Dörflinger spielt gerne mit dem Material und lässt es durch die Schlingen und Windungen weich und leicht formbar erscheinen. Dies trifft auch für die Skulpturengruppe im Kabelwerk im Wien Meidling zu, die 2006/07 entstanden. Die Module, die aus dem Boden ragen, suggerieren eine Bewegung die, wie auch das Modell der Skulptur zeigt, unter der Erde weitergeht. „Steinerne Kabel“ enden über den Boden, andere vollführen einen Bogen und „tauchen“ wieder in den Beton ein.